Comeback des Jahres

Hi, da bin ich wieder. Nach acht Monaten und elf Tagen gibt es endlich mal wieder einen neuen Blogeintrag von mir aus Nigeria. Das Schwierigste nach einer so langen Pause ist es einen Einstieg hinzubekommen. Mehrere Male schon habe ich versucht einen Eintrag zu schreiben, doch bin ich jedes Mal am Anfang gescheitert und ich habe es sein lassen. Das Problem ist, dass es immer schwieriger wird je mehr Zeit vergeht. Für mich gab es da zwei Optionen. Entweder ich schreibe all das nieder, was in der Zwischenzeit Interessantes passiert ist oder ich mache einfach weiter und tue, als hätte es die lange Zeit nicht gegeben. Letztendlich habe ich mich für eine Mischung aus beiden entschieden.

Der Grund für die lange Pause ist, dass ich nicht mehr alleine in Nigeria bin. Seit dem 8ten Januar 2016 sind meine Herzdame und mein Herzbube bei mir. Dadurch hat sich der Alltag komplett geändert. Die Tage bestehen nun sowohl aus Arbeit als auch aus Spielen und Familienleben. Und in den freien Stunden am Abend habe ich keine Muse einen Text in den Computer einzutippen. Hinzu kam das schon erwähnte Problem den richtigen Anfang zu finden und so entstand die lange Pause, die mir persönlich überhaupt nicht so lange vorkam. Die Beiden genießen aber momentan verlängerte Sommerferien und ich bin für drei Wochen allein in Nigeria. Die Zeit wollte ich nutzen endlich mal weiterzuschreiben.

Herzdame und Herzbube fiel der Abschied vom Leben in Deutschland, der Familie und den Freunden sehr schwer. Am Tag unseres Fluges sind wir im Berliner Schneechaos zum Flughafen gefahren und einige Stunden später sind wir bei 36 Grad Celsius aus dem Flugzeug gestiegen und waren in einer ganz anderen Welt, andere Kultur, anderes Klima, andere Gerüche, ein ganz anderes Leben. Die Veränderungen und das anfängliche Heimweh haben dazu geführt, dass beide erstmal Fieber bekommen haben. Ich selber brauchte jedes Mal, egal wo ich war, ein bis zwei Wochen, um anzukommen. Und so ist es den beiden auch ergangen nur, dass sie noch etwas länger gebraucht haben. Jetzt haben sie sich aber doch recht gut an das neue Leben gewöhnt. Es ist schwierig und teilweise auch anstrengend, doch wir versuchen das Beste draus zu machen. Mein Herzbube geht hier in einen nigerianischen Kindergarten mit britischen Curriculum. Und jedes Wochenende fahren wir ins Blu Cabana, ein libanesischer Club mit Restaurant, Fitnessstudio, Pool, Indoor- und Outdoor Spielplatz. Bei Bedarf kann ich zum Kindergarten, dem Leben mit Familie in Abuja und zu unseren Erlebnissen auf Abujas Straßen noch mehr schreiben, denn so locker lässig wie es hier jetzt klingt ist es nämlich nicht (ich sage nur andere Erziehung, korrupte Polizei, anderes Sozialverhalten, Polizei, fehlende Freizeitmöglichkeiten, Korruption, und so weiter…). Für mich ist es das Schönste, dass ich meine Herzdame und meinen Herzbuben bei mir habe und sie jeden Tag sehe.

Blu Cabana
Blu Cabana
Schuluniform
Schuluniform
Kindergartenunterricht
Kindergartenunterricht

Und ansonsten? Ich arbeite viel und hart. Ich muss ab und an meine Familie in Abuja alleine lassen, da ich nach Jos fahre. Doch die Arbeit macht mir (meistens) Spaß. Heute auf den Tag genau endet mein Projekt und somit auch mein Vertrag. Was? Schon? Naja, wir haben eine Projektverlängerung bei der EU um sechs Monate beantragt, da wir erstens später als geplant angefangen haben, noch lange nicht alle geplanten Aktivitäten umgesetzt haben und auch noch genügend Budget übrighaben. Den Antrag haben wir vor Wochen gestellt und wir haben zumindest eine mündliche Zusage von Seiten der EU. Jetzt warten wir noch auf die schriftliche Zusage. Das Problem ist nur, dass momentan Urlaubszeit in Brüssel ist und uns scheinbar keiner diese schriftliche Zusage schicken kann. Dennoch gehen wir davon aus, dass alles gut geht und wir noch bis Ende März 2017 in Abuja bleiben.

Und Nigeria? Naja, das Land ist momentan nicht in der besten Verfassung. Nachdem Buhari die terroristische Sekte Boko Haram doch ziemlich zurückgeschlagen hat, gibt es nun wieder vereinzelte neue Schlagzeilen, über kämpferische Auseinandersetzungen zwischen Militär und der Sekte. Das Ganze konzentriert sich aber auf den äußersten Nord-Ostens des Landes. Der Rest des Landes ist relativ verschont. Allerdings gibt es im Niger-Delta, einer Region von immenser Wichtigkeit für Nigeria, da dort das Öl herkommt, eine neue terroristische Rebellengruppe, die sich Niger Avengers nennt. Diese attackieren und sabotieren seit Monaten Raffinerien und Pipelines in diesem extrem unzugänglichen Gebiet. Mit den Angriffen auf Nigerias wichtigstes Wirtschaftsgut tragen sie auch dazu bei, dass die wirtschaftliche Situation in Nigeria so schlecht ist, wie seit Ewigkeiten nicht mehr. Natürlich liegt das auch am extrem niedrigen Ölpreis der letzten Monate. Da bleiben die Hauptstaatseinnahmen aus. Diese sind benötigt, um andere Wirtschaftssektoren zu stärken, bzw. am Laufen zu halten. Viele Unternehmen sind auf Importe angewiesen, um Dinge herzustellen oder zu verkaufen. Für Importe braucht man Devisen, doch die sind knapp, da die Öleinnahmen ausblieben. Die wenigen Devisen dürfen nur zum Import von extrem wichtigen Gütern verwendet werden (welche genau, weiß ich gar nicht). Die meisten Unternehmen müssen sich ihre Devisen auf dem parallelen Markt (so wird der Schwarzmarkt genannt) besorgen. Aufgrund der hohen Nachfrage sind die Wechselkurse auf dem parallelen Markt natürlich extrem in die Höhe geschossen, was gut ist für uns, die Euro Bargeld ins Land bringen und dann ebenfalls auf dem parallelen Markt tauschen. Im Juni hat Buhari endlich reagiert und die offizielle Wechselkursrate, die bis dahin festgesetzt war bei 1Euro zu 220 Naira (während wir auf dem Parallelmarkt 405 Naira für einen Euro bekommen), flexibel gemacht. Das kann zwar zu Inflation führen, doch kommen die Unternehmen endlich wieder an Devisen. Bisher sind noch keine Früchte zu erkennen und es bleibt abzuwarten.

Der heutige Blogeintrag, der erste nach über acht Monaten Stille, war sicherlich recht oberflächlich gehalten und nicht so informativ und detailreich, wie sich einige gewünscht haben. Viele Fragen sind offengeblieben. Doch für mich wurde das Hauptziel erreicht, dass da wäre, einen Anfang zu schaffen. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Tagen und Wochen wieder viel regelmäßiger schreiben werde und dann wird es noch ganz viele Geschichten über unser Leben in Abuja und es wird dann auch wieder viele Hintergrundgeschichten zu Politik, Wirtschaft und den Menschen Nigerias geben. Aber für heute wollen wir es dabei belassen. Oder wie man auf Hausa sagt: Ce ke nan.

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