Ein paar Worte

Hi,

erinnert ihr euch noch? 31.Juli 2016, ein warmer Sommertag und ich verkündigte großkotzig: „ab jetzt schreibe ich wieder regelmäßig“. Gesagt, getan…und nur 7,5Monate kommt da auch schon der Folgeeintrag. Halten wir uns aber nicht mit Kleinigkeiten auf, sondern konzentrieren uns auf das Wesentliche. Ich komme gerade aus der Kneipe und bin in der Muse ein zwei Wörter in die Tastatur zu hauen.

Kneipe, wer denkt da nicht auch sofort an die verrauchte Spelunke an der Blockecke mit einem Namen wie „Zum wilden Heinz“ oder „Eckkneipe“. Wenn ich im nigerianischen Kontext von Kneipe rede, meine ich eher, drei Plastikstühle um einen Plastiktisch irgendwo aufgestellt, wo etwas Platz ist. In der Nähe ein halbwegs brauchbarer Kühlschrank mit halbwegs kaltem Bier aus der Flasche. In einer anderen Ecke wird dann noch rohes Fleisch überm Feuer geröstet und mit Chili gewürzt. Bushbar heißt das Ganze und ist tatsächlich super, um einen entspannten Drink am Abend einzunehmen. Vor gar nicht allzu langer Zeit, war Abuja voll mit Bushbars. Aber die Dinger sind halt nicht legal und werden dann auch ab und an komplett von den Behörden abgerissen. Momentan ist es schwieriger, irgendwo ein kühles Feierabendbier einzunehmen. Aber wir haben heute eine Bushbar gefunden, wo es auch ganz nett war. Zumindest solange, bis ein ziemlich schicker Minibus der örtlichen Strombetriebe vorfuhr. Drei Männer mit Klemmbrettern stiegen aus, nachts um 23 Uhr und haben alles untersucht. Die Kellner waren erst verschwunden und dann sehr aufgeregt. Wäre alles nicht so schlimm, wenn nicht auch noch mehrere bewaffnete Uniformierte mit aus dem Bus ausgestiegen wären, die die Lage überwacht haben. Ganz ehrlich, so was verdirbt irgendwie die Stimmung.

Aber ich will ja auch gar nicht von Kneipenbesuchen berichten, sondern eher davon, wie es mir in Abuja, Nigeria denn so geht. Abuja, nicht zu verwechseln mit Berlin, ist übrigens die Hauptstadt, in der es seit letztem Mittwoch keinen Flugverkehr mehr gibt. Der nächste „internationale“ Flughafen ist nun 200 km oder 3,5h Autofahrt entfernt. In Abuja selber bewegt sich nichts mehr. Grund dafür ist eine dringend notwendige Reparatur der Landebahn. Landebahnen, davon gibt es in Abuja nur eine. Schon vor Jahren sollte eine zweite Bahn gebaut werden. Es war schon alles in Sack und Tüten, das Parlament hat zugestimmt und das Budget freigegeben, doch dieses war dann von einen auf den anderen Tag verschwunden. Einfach weg. Niemand konnte sich erklären warum und wohin. Vor allem diejenigen, die im dicken Sportwagen zur Pressekonferenz vorfuhren, hatten keinen Schimmer, wo das Geld denn sein könne. Und so hatte der Flughafen in Abuja eben nur eine Landebahn. Ausgelegt für eine 20jährige Nutzung und nun nach 34 Jahren, gibt es doch tatsächlich einige Schäden, wie dicke Krater auf der Bahn. Manche Fluggesellschaften, wie Air France, beschweren sich gar, dass die Flugzeuge beim Landeanflug beschädigt werden. Aber letztendlich sind das nur Bagatellschäden wie Achsenbrüche Die Internationale Flugsicherung hatte dennoch genug und drohte Abuja mit der Entziehung der internationalen Fluglizenz, wenn die Landebahn nicht repariert würde. Politiker mit dem Hang zu Auslandsreisen und internationale Businesspersonen konnten das natürlich nicht zulassen und daher ist der Flughafen in Abuja für die nächsten 6 Wochen gesperrt und wird renoviert. Findige Geschäftsmänner haben direkt Helikopterverbindungen zum nächstgelegenen Flughafen ins Leben gerufen. Ein Service, der auch von uns genutzt werden kann. Doch seit heute gibt es auch noch eine spontane Flugverbotszone über Abuja und somit sind auch alle Helikopterflüge gestrichen. Warum es eine Flugverbotszone gibt, weiß ich nicht. Manche behaupten, dass einflussreiche Personen neidisch auf die Heli-idee waren. Andere verbinden es mit der momentan recht hohen Terrorwarnstufe für Abuja. Meine Familie, Herzdame und Herzbube sind vorsorglich vor der Flughafenschließung schon wieder nach Deutschland zurückgereist.

In wenigen Wochen versuche ich mich mal auf eine internationale Dienstreise zu begeben, dann werde ich den Stress der Flughafenschließung auch einmal hautnah mitbekommen. Denn momentan bekomme ich vom ganzen Stress eher weniger mit. Abuja ist so oder so ein großes Gefängnis, ob mit oder ohne Flughafen. Ich kann mich da glücklich schätzen, dass mein Projekt in Plateau umgesetzt wird und ich regelmäßig im wunderbaren Jos bin. In Jos ist immer was zu tun und dort wird es nie langweilig. Doch in genau 3 Wochen endet unser Projekt (deshalb ist momentan noch etwas mehr zu tun, als sonst…wir müssen ja noch Gelder ausgeben). Ja, und dann war es das. 44 Monate EU Projekt in Plateau sind endgültig vorbei. Die meiste Zeit war ich dabei und das sogar in führender Funktion. In drei Wochen endet ein Abschnitt in meinem Leben, der mich sehr geprägt hat. Ich mag noch gar nicht dran denken, wie es ab April aussieht. Vielleicht falle ich in ein kleines Loch. Aber ich bleibe noch etwas in Nigeria, um sicherzustellen, dass alles ordnungsgemäß abgeschlossen wird und ab Juni geht es dann in ein neues Abenteuer….

Wohin es geht, wieso, weshalb, warum….dazu später mehr. Jetzt nur so viel: die Reise geht zu einem wesentlich familienfreundlicheren Standort, wo sich Herzdame und Herzbube sicherlich viel wohler fühlen werden.

Auch zu meinem Plateau Projekt, unseren erreichten Zielen und Herausforderungen, möchte ich später mehr schreiben. Denn es gibt doch so vieles zu berichten…

…Apropos, habe ich erwähnt, dass ich ausgezeichnet wurde, vor den Augen des Gouverneurs, und zwar für außerordentliche Leistung für den Bundesstaat Plateau….

Nigeria, trotz allem, ich wird dich vermissen!!!

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