Ein neues Abenteuer beginnt…

Das mit dem regelmäßigen Schreiben üben wir noch, aber es muss auch zugegeben werden, dass ja auch wirklich keine Zeit war. Drei Monate sind wieder vergangen und in den drei Monaten hat sich die ganze Welt verändert…naja zumindest meine Welt…und vielleicht nicht die ganze Welt aber doch eben sehr vieles. Man kann schon fast sagen, dass ich ein anderes Leben lebe…

Aber mal der Reihe nach. Ende März endete unser Projekt in Plateau. Viele Menschen wollten dies bis zum letzten Tag nicht wirklich glauben. Viele traten an mich heran und baten: „Björn, bitte erfülle ein Wunder, so wie du es sonst auch immer geschafft hast…“. Zu diesen Menschen zählten vor allem unsere Partner, besonders die politischen. Und das Highlight des Ganzen war ein Brief an den EU-Botschafter mit der Bitte um Projektverlängerung, original unterzeichnet vom Governor von Plateau in blutroter Tinte, wie in einem waschechten Liebesbrief. Auch für mein Team tat es mir sehr leid, denn für die meisten bedeutete das Projektende, dass sie sich einen neuen Job suchen müssen. Und bei einigen finde ich das sehr ungerecht, so sehr, dass ich alles in meiner Macht stehende unternehme (soviel ist das natürlich auch nicht) und sie bei der Jobsuche unterstütze. Trotz aller Probleme und Schwierigkeiten, die wir hatten, muss ich sagen, das war das Best Team ever!!! Nach Projektende blieb ich noch für 1,5 Monate in Nigeria, einer musste ja das Projekt ordentlich abschließen. Der krönende Abschluss war dann unsere Projektevaluierung, wo ich nochmals für 10 Tage am Stück in Jos und Umgebung war und auch noch mal eine gute Zeit, etwas mit meinem alten Team abzuhängen. Die Evaluierung war natürlich unabhängig und als dann die Ergebnisse vorgestellt wurden (Landesdirektor war da, Programmchefin, nur die EU glänzte mit Ausreden und Abwesenheit), war ich mehr als überrascht. Ich wusste immer, dass wir Gutes und Sinnvolles in Plateau machen. Aber dann von unabhängiger Seite bestätigt zu bekommen, dass wir positive Wirkung auf die Entwicklung der Wirtschaft in Plateau und vor allem auch der Konfliktprävention in diesem so von Konflikten gebeutelten Bundesstaat hatten, hat mich dann doch sehr stolz gemacht. Ich verfolge gelegentlich die Debatten, um Sinn und Unsinn von Entwicklungszusammenarbeit. Und manchmal bin ich wirklich auf der Seite der EZ-Kritiker, die behaupten, EZ fördere nur weiterhin die Abhängigkeit der armen Staaten vom reichen Westen (oder nun auch immer mehr Osten (z.B. China)). Aber bei einer jeden Diskussion möchte ich unser Plateau-Projekt aufführen, um zu zeigen, dass Entwicklungszusammenarbeit auch positive Wirkung auf Land und Leute haben kann. Unser Motto war und ist immer, dass wir den Ort in einem besseren Zustand als wir ihn vorgefunden haben. Und wenn ich den Versprechen unserer Partner nur etwas Glauben schenken darf, dann werden von uns angestoßene Aktivitäten auch weiterhin ohne EU und GIZ fortgeführt. Eine Sache, die die Evaluierung ans Tageslicht gebracht hat und die mir bis dahin nicht bewusst war und mich sehr gerührt hat, ist der Spitzname, denn alle unsere Partner und mein Team für mich hatten: „Mr. Talk and Do“, denn ich habe nicht nur geredet, sondern auch gemacht 😊 😊

Häufig habe ich gedacht, dass es langsam reicht in Nigeria. Ich war dann frustriert und wollte weiterziehen. Doch als es dann tatsächlich Zeit war Abschied zu nehmen, sind Tränen geflossen…nicht nur bei mir. Wenn man weiterzieht und zurückblickt, sieht man vor allem die guten Seiten, denn trotz aller Probleme in diesem Land, war die Zeit schon einmalig. Ein sehr interessantes, nicht immer einfaches Land und vor allem einmalig, genauso wie seine Bevölkerung . In den letzten vier Jahren habe ich drei Jahre in Nigeria gelebt und in dieser Zeit habe ich viel gelernt, über die Arbeit, über andere Menschen aber vor allem über mich. Nigeria wird mich nicht loslassen. Ich werde definitiv zurückkommen (z.B. im Juli/August diesen Jahres 😉 ). Und nicht nur, weil halb Plateau davon ausgeht, dass ich ein Haus in Jos baue. Bei unserem Launch eines Job Centers für Bauarbeiter und Handwerker habe ich mich verleiten zu lassen und habe vor versammelter Mannschaft kund getan, dass ich ein Haus in Jos bauen werde, vor 200 geladenen Gästen, die Presse war auch da….Zu den Gästen zählten Politiker, Architekten, Bauarbeiter, Handwerker und hinterher wurde mir folgendes versprochen und fest zugesagt: Land umsonst, Planung des Hauses umsonst, Arbeiter umsonst….Na da bleibt mir ja gar nichts anderes übrig und ich muss in Jos bauen. Sicherlich wird es eine kitschige Villa mit Säulen und etwas größer als der Palast des Governors….

SEDIN Abuja
Ich will auch noch ein Foto mit dem Bature
Plateau on the Move
Kuchen passend zur Kleidung
Immer Zeit nehmen, wenn Leute Fotos mit mir wollen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach Nigeria ging es dann erstmal nach Deutschland. Herzdame und Herzbube hatte ich schon so lange nicht mehr gesehen und trotz des Stresses zum Projektende doch so dolle vermisst. Vor allem mein kleiner Prinz ist so groß geworden und die erste Umarmung nachdem ich den Flieger in Berlin verlassen habe, war einer der schönsten Momente in meinem Leben.

Vater-Sohn Team Sport
Daddy is back

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vier Wochen also in Deutschland und Spanien. Zeit zum Abschalten. Leider musste ich oft feststellen, dass ich das Abschalten verlernt habe. Ich habe mich zu 150% mit dem Plateau-Projekt identifiziert und mich auch nach Projektende, während meines Urlaubs und auch nun noch verantwortlich gefühlt manche Dinge zu erledigen….Doch bald ist es wirklich komplett abgeschlossen und in meinem neuen Job wird es dann hoffentlich auch besser. Was heißt hoffentlich, ich bin mir da sehr sicher und wenn nicht, dann gibt es Ärger mit der Herzdame.

Auch in Deutschland den Naija Swagger präsentieren

Leider musste ich auch traurige Neuigkeiten erfahren, mein Team wird nie wieder vollständig sein. Eine meiner Kolleginnen, mit der ich seit Beginn an zusammengearbeitet habe, ist in noch sehr jungen Jahren an einer Krankheit gestorben. Sie hat sich bis kurz vor Ende geweigert, zu einem Doktor zu gehen. Ich weiß nicht, ob etwas getan hätte werden können. Vielleicht hätte man ihr Leiden lindern können. Aber jegliches Zureden hat nicht wirklich geholfen. Sie war Anhängerin einer Kirche, die ihren Mitgliedern eingebläukt hat, dass nur Gott die Kranken heilt und wenn Gott will, dass man stirbt, so hat man zu sterben……

Die Zeit in Deutschland war auch noch geprägt mit Vorbereitung, denn ein neues Abenteuer hat Mitte Juni begonnen. Seit Mitte Juni bin ich in Malawi, im Warmen Herzen Afrikas. Zurück dahin, wo alles angefangen hat. Wer erinnert sich noch, dass ich 2009 für mehrere Monate hier gewohnt habe und ein Praktikum gemacht habe? Kann man gerne hier alles nachlesen:

http://rastatier.blogspot.com/

Und jetzt 8 Jahre später bin ich wieder zurück in dem Land, wo mir der Name Chabwera Banda gegeben wurde. Ich gebe zu, dass es nicht zufällig kam. Ich habe mich schon hauptsächlich bewusst auf Stellen in Malawi beworben. Im Dezember 2016, kurz vor Weihnachten habe ich dann mehrere Anrufe bekommen. 1. Ein Anruf aus der Personalabteilung, der GIZ, ob meine Bewerbung in Malawi noch aktuell ist und wenn ja, solle ich doch bitte die mögliche neue Chefin anrufen….2. Ein Anruf meiner Chefin bis dahin, dass sie gerade mit einer Dame aus Malawi telefoniert hat, die möglicherweise meine neue Chefin wird. Die Dame hat sich nach mir erkundigt. Keine Ahnung, was meine alte Chefin ihr erzählt hat, aber…..3. Bekam ich noch einen Anruf von meiner neuen Chefin. Es war nicht wirklich ein Bewerbungsgespräch, aber nach dem Telefonat hatte ich den Job. Dann sind 6,5 Monate vergangen, ich war zweimal in Malawi und dann Anfang Juni habe ich endgültig den neuen Vertrag unterschrieben. Ich bin jetzt Finanzmanager im Programm „Grüne Innovationszentren für Agriculture und Ernährung“. Das Programm ist ein globales und wird in mehreren Ländern weltweit umgesetzt, u.a. in Malawi. Es ist des Entwicklungsministers Baby (Gerd Müller ist das, für die, denen es gerade entfallen ist 😉 ). Es fließt also sehr viel Geld und steht daher sehr im Fokus von Ministerium und Presse. Das ganze Geld möchte aber auch geplant, gemanagt und sauber eingesetzt werden. Das ist dann meine neue Aufgabe als Finanzmanager. Der neue Job hat also viel mit Budgetplanung und -monitoring und sehr viel mit Zahlen zu tun. Das sollte mir als ehemaligem Mathematik-studenten, der in der Grundschule noch Bankier werden wollte, doch eigentlich liegen. 2 Wochen bin ich jetzt im Land und immer noch voll dabei mich in den neuen Job einzuarbeiten. Es gibt Tage da sehe ich gar keinen Fortschritt, doch dann gibt es glücklicherweise auch Tage, wo ich denke, dass ich verstanden habe, was meine Aufgaben sein werden. In den 2 Wochen hatte ich auch schon genügend Zeit die Kollegen kennenzulernen. Mein erster Eindruck sagt mir, dass es schon großartig anders zugeht, als in Nigeria. Ich habe das Gefühl, dass besonders im administrativen Bereich, der Graben zwischen nationalen und entsandten Mitarbeitern viel größer ist. Es kommt mir fast so vor, als ob sich die beiden Seiten gegenseitig nicht vertrauen. Gerade die Finanzmanager werden also unnötige Kontrolleinheiten wahrgenommen. Auch habe ich aber das Gefühl, dass Lernbereitschaft wesentlich geringer ist, als in Nigeria. Ich meine, die meisten Streitigkeiten in unserem Projekt, also immer wenn ich nicht zufrieden war, bezogen sich auf administrative Prozesse. Ich habe extra eine Schritt-für-Schritt-Liste erstellt, die aber denn och nicht immer eingehalten wurde, dennoch hat gerade diese Checkliste uns auch sehr geholfen und wurde von allen Seiten (Management, Evaluierung, Buchprüfung, Mitarbeitern) gelobt. Die wesentlichen Prozesse waren allen klar, dass ist in Malawi nicht immer der Fall, auch nicht bei denen, die seit Jahren in der GIZ sind…Da ist in Malawi in der Vergangenheit einiges schief gegangen und deshalb gibt es jetzt hier eine Finanzmanagergruppe. Und ihr wisst ja, ich verlasse den Ort nur, wenn er dann besser ist als ich ihn aufgefunden habe. Demnächst läuft es hier also. Aber bis dahin wird es ein weiter Weg.

Genauso wichtig, wie im neuen Job anzukommen, ist es auch im Land anzukommen. Einiges hat sich verändert, seitdem ich das letzte Mal da war, einiges kommt aber auch wieder aus meiner Erinnerung, und dazu bin ich schon sehr Nigeria-beeinflusst. Das ganze Leben im Alltag ist hier schon sehr anders. Wesentlich freundlicher, aber auch weniger ehrlich teilweise. Und ´die Armut ist wesentlich omnipräsenter. Man sieht sie eigentlich überall. Ausländer werden hier dann doch wesentlich häufiger mit einem Dollarzeichen gleich gesetzt, etwas was in Nigeria auch vorkam aber nicht so häufig. Um so richtig anzukommen, ist es auch wichtig eine geeignete Unterkunft zu finden. Wir haben ja aus Nigeria gelernt und nun soll es also kein Apartmentblock mit zugemauerten Innenhof werden, sondern ein Häuschen mit Garten. Ich habe mir einiges angeguckt. Entweder gibt es gar keinen Garten oder einen Garten so groß, dass man sich durchaus verlaufen kann. Auch die Häuser waren in komplett verschiedenen Zuständen: zu groß, zu klein, möbliert, unmöbliert, heruntergekommen, protzig….Ich habe aber nur zwei Wochen doch schon ein Haus gefunden, bei dem ich ein sehr gutes Gefühl habe. Das Haus hat eine gute Größe, ist sauber und der Garten ist riesig. Bald ziehe ich ein, erstmal nur mit einer Matratze, denn um das Haus so richtig einzurichten, muss ich natürlich auf die Herzdame warten, die mit Herzbube im August herkommt und die mit Haus und Garten große Pläne hat.

Selbst die Welpen essen Nsima in Malawi
Unser neues Häuschen von vorne
Ziemlich kleiner Garten
Unser neues Häuschen von hinten

Mehr dazu später….denn natürlich schreibe ich jetzt wieder regelmäßig…

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