Beautiful Plateau State

In der vergangenen Woche (kleine Anmerkung: Der Blog ist etwas spät hochgeladen, daher ist es nun schon fast drei Wochen her…) war es endlich soweit, ich konnte zum ersten Mal (seitdem ich dieses Mal in Nigeria bin) nach Jos fahren, der Hauptstadt von Plateau State. Eigentlich wollte ich das schon wesentlich früher gemacht haben, doch ich hatte ein paar Probleme mit meinem Visum, besser gesagt mit der Bearbeitung meiner Resident Card. Diese habe ich zwar immer noch nicht, doch nach einigem Druck meinerseits hat es unser Protocol Officer geschafft mit eine vorübergehende Resident Card zu besorgen und die erlaubte es mir endlich nach Jos zu fahren, wo ja unser Projekt ausschließlich umgesetzt wird. Am vergangenen Montag ging es also los, ein Fahrer, ein Kollege, ein Consultant und ich, wir machten uns auf den Weg nach Jos. Jos liegt etwas 300km nordöstlich von Abuja und ich mag die Strecke dorthin. Ich bin sie ja im vergangenen Jahre bestimmt 20-30 Mal gefahren und im Januar und März diesen Jahres auch schon ein paar Mal. Ich konnte also sehen, was sich mittlerweile geändert hat (nicht so viel, alles beim Alten) und konnte einspringen, falls der Fahrer den Weg nicht mehr wusste (was nicht geschah). Die Strecke geht durch einige kleine Städtchen und Dörfer und natürlich ist dort, besonders um die Marktgegend, immer eine Menge Trubel. Auf halber Strecke genehmigten wir uns einen kleinen Snack. Es gab frittierten Yaam und frittierten Bohnenkuchen mit scharfer Soße und dann nach 250km wurde es aufregend. Ab dort geht es nämlich immer spürbar bergauf und das ist für mich immer das Zeichen, dass wir das Plateau erreicht haben. Oben auf dem Plateau angekommen ist es dann wunderschön, es ist deutlich (meistens) deutlich kühler als in Abuja und man hat weite Weiten soweit das Auge reicht und mittendrin immer mal wieder sehr beeindruckende Felsformationen.

Da fällt mir jetzt doch eine Sache ein, die sich verändert hat. Vor den letzten Wahlen gab es auf den 300km zwischen Jos und Abuja 12-15 Security-, Polizei oder Militär-Check Points, manchmal nur wenige Meter voneinander entfernt. Diese suchen natürlich nach Verbrechern, besonders nach Boko Haram-Terroristen. Ich habe mich schon immer gefragt, was die überhaupt bringen. Wenn jemand eine Bombe von A nach B schmuggeln will, dann lässt er sich auch nicht von einem Check Point aufhalten, außerdem habe ich noch nie gehört, dass solch ein Check Point etwas gefunden hat. Die dienten mehr, die Reisenden aufzuhalten, teilweise auch sie einzuschüchtern, um sich einen kleinen Zuverdienst zu ergaunern. Der neue Präsident Buhari sieht das ebenso, deshalb war eine seiner ersten Amtshandlungen die Abschaffung der Check Point. Nun sieht man überhaupt keine Check Points mehr, bis man das Plateau erreicht. Die Gemeinde (oder Local Government), durch die man in Plateau State fährt bis man Jos erreicht heißt Riyom und ist eine der Gemeinden, die besonders von der Gewalt zwischen der Berom Ethnie (sesshafte Bauern) und der Fulani Ethnie (nomadische Viehzüchter) betroffen ist. Deshalb sieht man dort dann doch wieder einige Check Points, teils Polizei, teils Militär, teils lokale Gemeinde-Schutzdienste.

Dann haben wir endlich Jos erreicht. Im Büro haben sich natürlich alle gefreut, mich wiederzusehen. Allerdings haben sie sich noch mehr gefreut Johannes wiederzusehen. Das ist der Consultant, der mit uns gefahren ist. Er ist Filmemacher und hat in Jos für die GIZ, genauer für das erste EU Projekt, schon einen Film über Mikrofinanzen gemacht. Das ist ein ausgesprochen guter Film, der dem Edutainment-Genre zuzuordnen ist, also teils Education und teils Entertainment. Es ist ein Nollywood-film (allerdings einer der ohne das nervende, permanente Schreien auskommt) mit einer Lehrbotschaft, gedreht mit Schauspielern aus Plateau. Wie gesagt, sehr empfehlenswert. Wer den Film, der „E go better – The Microfinance Way“ (E go better ist Nigerian Pidgin und bedeutedt, dass alles gut wird) und aus sechs Episoden besteht, gerne sehen will, kann das jederzeit bei Youtube tun.

Jetzt ist Johannes zurück in Nigeria, und dreht für das neue EU Projekt einen neuen Film, diesmal zum Thema Mikroversicherungen, „E go better 2 – The Microinsurance Way“. Johannes ist Künstler und in Jos bekannt wie ein bunter Hund, jeder kennt ihn, jeder mag ihn und nun wird er für beinahe 7 Monate zum Film drehen in Jos wohnen. Klar, dass sich jeder gefreut hat, ihn wiederzusehen. Im Steffan Hotel, wo wir erst einmal untergekommen sind, haben sich allerdings alle gefreut mich wiederzusehen. Ist ja auch ganz klar, dort habe ich ja im vergangenen Jahr sechs Monate gewohnt und bin Teil der Hotelfamilie. Dort sind auch überall Woza – This is Africa Aufkleber verteilt, nicht von mir, wohlgemerkt.

Arbeitstechnisch hatte ich in Jos sehr viel Organisatorisches zu erledigen. In zwei Wochen bekommen wir mehrere neue Mitarbeiter, außerdem ist es seit dem Anlaufen des Projektes mein erster Besuch  in Jos, da fällt sehr viel an, Kassenüberprüfung, Inventurliste, etc.. Ich hatte aber dann dennoch die Chance noch einen kleinen Field Trip durch Plateau zu machen. Während der ersten Phase haben wir insgesamt 12 Kartoffellagerhäuser für Farmer bauen lassen, die mit lokalen Materialien gebaut sind und so konzipiert sind, dass die Kartoffeln ohne Strom kühl und trocken gelagert werden können. Das soll den Farmern ermöglichen, dass sie ihre Kartoffeln bis zu 6 Monate lagern und somit auch zu Nicht-Ernte-Zeiten verkaufen können. Das ermöglicht ein bis zu vierfach höheres Einkommen. Dieses Jahr zur Regenzeit gab es beispielsweise sehr stärkere Regenfälle und dadurch hat sich die Kartoffelfäule stark verbreitet. Die Farmer, die ich besucht habe, meinten, dass sie zwar wesentlich geringere Ernteerträge erwirtschafteten, aber durch die Lagerung und das dadurch verbundene Verhökern der Kartoffeln zu höheren Preisen, haben sie keine Verluste gemacht. Immerhin. Die Farmer sollen die Kartoffellagerhäuser übrigens nach und nach abbezahlen. Das Geld wird in einem Fund gesammelt und damit sollen weitere Kartoffellagerhäuser wir weitere Farmer gebaut werden. Soll ja auch nachhaltig sein. Das Bauvorhaben war allgemein sehr kraftraubend für alle beteiligten und ich möchte mich dazu auch gar nicht weiter äußern. Nur so viel, es gibt noch einige Sachen, die behoben werden müssen. Natürlich ließen es sich einige Farmer auch nicht nehmen, uns ihre Felder zu präsentieren. Zwar werden die nächsten Kartoffeln erst ausgesät, wenn der Regen komplett aufgehört hat, aber einiges an anderen Gemüse wird gerade angebaut und steht kurz vor der Ernte. Und so stapfte ich über die Felder, natürlich mit Stoffhose und Leder-Businessschuhen und erntete Zwiebeln, die sehr lecker schmeckten. Auch bei der Sojabohnenernte konnte ich kurz zusehen. Frauen und Kinder sammelten das Gestrüpp, wo die Bohnen dranhängen, auf einem Haufen und schlagen mit Knüppel drauf. Die Bohnen fallen ab und werden dann aufgelesen. Ich war erstaunt, wie viel Bohnen so ein paar Äste ergeben. Nicht schlecht.

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Insgesamt war der Trip nach Jos mal wieder sehr nett. Es ist immer nett mal aus Abuja herauszukommen. Und während ich diese Zeilen schreibe, bin ich auch nicht in Abuja. Ich sitze am Flughafen und warte auf das Boarding. Ab nach Deutschland, wenn auch nur für eine Woche, aber nach 8,5Wochen hier, wird es allerhöchste Zeit Herzdame und Herzbube zu besuchen. Ich habe gehört, dass Herzbube jetzt laufen kann. Das will ich sehen und mit ihm spazieren gehen.

Wenn ich dann nach einer Woche wieder nach Nigeria komme, geht es auch wieder sofort nach Jos. Diesmal stehen aber Besuche bei Mikrofinanzbanken, Schulen und Politikern auf dem Programm und dann ist ja auch schon November und meine neuen Kollegen beginnen. Das wird auch aufregend.

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